Rechtliche Risiken beim Unternehmensverkauf erkennen und vermeiden
Beim Unternehmensverkauf lauern zahlreiche rechtliche Risiken, die ohne professionelle Absicherung zu erheblichen finanziellen Einbußen führen können. Eine frühzeitige Identifikation dieser Risiken ist der erste Schritt zu einem rechtlich abgesicherten Verkaufsprozess.
Typische rechtliche Fallstricke beim Verkauf eines Unternehmens
- Unvollständige oder fehlerhafte Gewährleistungen im Kaufvertrag
- Unklare Haftungsregelungen für Altverbindlichkeiten
- Mangelnde Berücksichtigung arbeitsrechtlicher Verpflichtungen (§ 613a BGB)
- Fehlende Wettbewerbsverbote für den Verkäufer
- Unzureichende Due-Diligence-Prüfung vor Vertragsabschluss
- Fehlende notarielle Beurkundung bei GmbH-Anteilsverkäufen
- Unberücksichtigte steuerliche Konsequenzen des Verkaufs
Top 3 Fehler beim Unternehmensverkauf
- Mangelnde Vorbereitung: Fehlende rechtliche Prüfung vor Verkaufsstart führt zu schwacher Verhandlungsposition
- Unklare Vertragsgestaltung: Lückenhafte Kaufverträge ohne präzise Gewährleistungen und Haftungsregelungen
- Fehlende Expertenberatung: Verzicht auf spezialisierte Rechtsberatung aus Kostengründen verursacht oft höhere Folgekosten
Strategien zur Risikominimierung
Um Ihren Unternehmensverkauf rechtlich abzusichern, sollten Sie folgende Maßnahmen ergreifen:
Vor dem Verkaufsprozess
- Durchführung einer internen rechtlichen Bestandsaufnahme
- Prüfung und Aktualisierung aller wichtigen Verträge
- Bereinigung offener Rechtsstreitigkeiten
- Klärung von Gesellschafterrechten und -pflichten
Während des Verkaufsprozesses
- Abschluss einer Vertraulichkeitsvereinbarung (NDA)
- Strukturierte Offenlegung von Informationen
- Professionelle Begleitung bei Vertragsverhandlungen
- Rechtssichere Gestaltung des Kaufvertrags
Rechtliche Risiken bei Ihrem Unternehmensverkauf minimieren
Lassen Sie Ihre Verkaufsstrategie von Experten prüfen und erhalten Sie eine individuelle Risikoanalyse für Ihren Unternehmensverkauf.
Wesentliche Elemente eines rechtssicheren Unternehmensverkauf Vertrags
Der Kaufvertrag ist das zentrale Dokument beim Unternehmensverkauf und sollte sorgfältig ausgearbeitet werden. Ein rechtssicherer Unternehmensverkauf Vertrag umfasst mehrere Kernelemente, die individuell auf Ihre Situation angepasst werden müssen.

Unverzichtbare Bestandteile des Kaufvertrags
| Vertragsbestandteil | Funktion | Rechtliche Bedeutung |
| Präzise Kaufgegenstandsdefinition | Klare Abgrenzung, was verkauft wird (Share Deal oder Asset Deal) | Verhindert spätere Streitigkeiten über den Umfang des Verkaufs |
| Kaufpreisregelung | Festlegung von Höhe, Fälligkeit und Zahlungsmodalitäten | Sichert Ansprüche beider Parteien und definiert Zahlungsbedingungen |
| Garantien und Gewährleistungen | Zusicherungen des Verkäufers über Unternehmenszustand | Begründet Haftungsansprüche bei Abweichungen |
| Haftungsregelungen | Festlegung von Haftungsumfang und -grenzen | Begrenzt finanzielle Risiken für beide Seiten |
| Wettbewerbsverbot | Untersagt dem Verkäufer Konkurrenzaktivitäten | Schützt den Unternehmenswert für den Käufer |
| Closing-Bedingungen | Voraussetzungen für den endgültigen Vollzug | Definiert Bedingungen für rechtswirksamen Übergang |
Unterschiede bei der Vertragsgestaltung: Share Deal vs. Asset Deal
Share Deal
Beim Share Deal werden Gesellschaftsanteile übertragen. Der Käufer tritt in die Rechtsstellung des Verkäufers ein und übernimmt das Unternehmen mit allen Rechten und Pflichten.
- Notarielle Beurkundung bei GmbH-Anteilen zwingend erforderlich
- Umfassendere Garantien und Gewährleistungen notwendig
- Übernahme aller Verbindlichkeiten und Risiken
Asset Deal
Beim Asset Deal werden einzelne Vermögensgegenstände und Verbindlichkeiten übertragen. Der Käufer kann gezielt auswählen, welche Teile des Unternehmens er übernimmt.
- Einzelübertragung jedes Vermögensgegenstands erforderlich
- Komplexere Vertragsgestaltung durch Einzelauflistung
- Bessere Risikokontrolle für den Käufer
Besondere Klauseln zur rechtlichen Absicherung
- Earn-Out-Klauseln: Koppeln Teile des Kaufpreises an zukünftige Unternehmensentwicklung
- MAC-Klauseln (Material Adverse Change): Ermöglichen Rücktritt bei wesentlichen negativen Veränderungen
- Escrow-Vereinbarungen: Hinterlegung eines Kaufpreisanteils zur Absicherung von Garantieansprüchen
- Freistellungsklauseln: Regeln Haftung für bestimmte Altverbindlichkeiten
- Mitarbeiterbindungsklauseln: Sichern den Verbleib von Schlüsselmitarbeitern
Rechtliche Prüfung (Due Diligence) – Schlüssel zum abgesicherten Unternehmensverkauf
Eine gründliche Due-Diligence-Prüfung ist unverzichtbar, um rechtliche Risiken frühzeitig zu erkennen und den Unternehmensverkauf optimal abzusichern. Sie dient sowohl dem Verkäufer zur Vorbereitung als auch dem Käufer zur Bewertung des Unternehmens.
Bereiche einer umfassenden rechtlichen Prüfung
Gesellschaftsrechtliche Prüfung
- Gesellschaftsverträge und Satzungen
- Gesellschafterbeschlüsse
- Handelsregisterauszüge
- Kapitalisierung und Anteilsstruktur
- Gesellschafterrechte und -pflichten
Vertragliche Prüfung
- Kunden- und Lieferantenverträge
- Miet- und Leasingverträge
- Lizenz- und Kooperationsverträge
- Darlehens- und Kreditverträge
- Change-of-Control-Klauseln
Compliance-Prüfung
- Arbeitsrechtliche Compliance
- Datenschutzrechtliche Aspekte
- Umweltrechtliche Verpflichtungen
- Genehmigungen und Lizenzen
- Laufende Rechtsstreitigkeiten
Vorbereitung und Durchführung der Due Diligence
- Einrichtung eines Datenraums: Strukturierte Bereitstellung aller relevanten Dokumente, entweder physisch oder digital
- Festlegung des Prüfungsumfangs: Definition der zu prüfenden Bereiche basierend auf Unternehmensgröße und Komplexität
- Zusammenstellung des Prüfungsteams: Einbindung von Rechtsanwälten, Steuerberatern und Wirtschaftsprüfern
- Durchführung der Prüfung: Systematische Analyse aller Dokumente und Identifikation von Risiken
- Erstellung eines Due-Diligence-Berichts: Zusammenfassung der Ergebnisse und Handlungsempfehlungen
Praxistipp: Red-Flag-Analyse
Erstellen Sie eine priorisierte Liste mit rechtlichen “Red Flags” – kritischen Risiken, die den Verkaufsprozess gefährden könnten. Diese sollten vor Beginn der Verkaufsverhandlungen adressiert werden, um Preisabschläge oder gar das Scheitern des Verkaufs zu vermeiden.
Rechtliche Absicherung durch Vendor Due Diligence
Als Verkäufer können Sie proaktiv eine Vendor Due Diligence durchführen lassen. Dabei handelt es sich um eine vom Verkäufer initiierte Prüfung, die mehrere Vorteile bietet:
- Frühzeitige Identifikation und Beseitigung von Risiken
- Bessere Kontrolle über den Verkaufsprozess
- Stärkere Verhandlungsposition durch Transparenz
- Beschleunigung des Verkaufsprozesses
- Möglichkeit zur Behebung von Problemen vor Käufereinsicht
Professionelle Due-Diligence-Prüfung für Ihren Unternehmensverkauf
Lassen Sie Ihr Unternehmen vor dem Verkauf rechtlich prüfen und identifizieren Sie potenzielle Risiken, bevor sie zu Problemen werden.
Die Rolle des Notars beim Unternehmensverkauf
Der Notar spielt eine zentrale Rolle bei der rechtlichen Absicherung eines Unternehmensverkaufs. In bestimmten Fällen ist die notarielle Beurkundung gesetzlich vorgeschrieben, in anderen Fällen bietet sie zusätzliche Sicherheit für beide Parteien.

Wann ist ein Notar beim Unternehmensverkauf gesetzlich erforderlich?
| Unternehmensform | Notarpflicht | Gesetzliche Grundlage |
| GmbH (Share Deal) | Ja, zwingend | § 15 Abs. 3 GmbHG |
| AG (Aktienübertragung) | Nein (bei börsennotierten Aktien) | § 68 AktG |
| Einzelunternehmen (Asset Deal) | Nur bei Grundstücksübertragung | § 311b BGB |
| KG/OHG (Anteilsübertragung) | Nur bei Grundstücksübertragung | § 311b BGB |
Aufgaben und Funktionen des Notars

- Belehrungsfunktion: Aufklärung beider Parteien über rechtliche Konsequenzen
- Neutralitätspflicht: Unparteiische Beratung und Vertragsgestaltung
- Beurkundungsfunktion: Rechtssichere Dokumentation des Verkaufs
- Vollzugsfunktion: Anmeldung von Änderungen zum Handelsregister
- Treuhandfunktion: Sichere Abwicklung des Zahlungsverkehrs
“Die notarielle Beurkundung bietet nicht nur rechtliche Sicherheit, sondern auch Beweiskraft für den Vertragsinhalt. Der Notar sorgt dafür, dass beide Parteien die Tragweite ihrer Entscheidungen verstehen und der Vertrag formgerecht umgesetzt wird.”
Ablauf der notariellen Beurkundung
- Vorbesprechung: Klärung der wesentlichen Vertragsinhalte mit dem Notar
- Vertragsentwurf: Erstellung eines Entwurfs durch den Notar oder Prüfung eines vorgelegten Entwurfs
- Versendung: Rechtzeitige Übermittlung des Entwurfs an alle Beteiligten (mindestens 14 Tage vor Beurkundung)
- Beurkundungstermin: Vollständiges Verlesen des Vertrags und Unterzeichnung durch alle Parteien
- Vollzug: Anmeldung zum Handelsregister und Durchführung weiterer erforderlicher Schritte
Braucht man einen Notar beim Unternehmensverkauf?
Bei bestimmten Unternehmensformen wie der GmbH ist die notarielle Beurkundung gesetzlich vorgeschrieben. Bei anderen Unternehmensformen ist sie optional, bietet aber zusätzliche Rechtssicherheit. Wenn Immobilien Teil des Unternehmensverkaufs sind, ist für deren Übertragung in jedem Fall ein Notar erforderlich.
Welche Kosten entstehen durch die notarielle Beurkundung?
Die Notarkosten richten sich nach dem Gerichtskostengesetz (GKG) und dem Gesetz über Kosten der freiwilligen Gerichtsbarkeit (KostO). Sie werden nach dem Geschäftswert (in der Regel dem Kaufpreis) berechnet. Bei einem Unternehmensverkauf mit einem Wert von 1 Million Euro liegen die Notarkosten etwa zwischen 2.000 und 4.000 Euro.
Rechtliche Absicherung nach dem Unternehmensverkauf
Der erfolgreiche Abschluss eines Unternehmensverkaufs bedeutet nicht das Ende der rechtlichen Verpflichtungen. Sowohl Verkäufer als auch Käufer müssen bestimmte Maßnahmen ergreifen, um sich nach dem Verkauf rechtlich abzusichern.

Maßnahmen für Verkäufer zur Absicherung nach dem Verkauf
Empfohlene Maßnahmen
- Dokumentation aller Übergabeprozesse
- Erfüllung vereinbarter Nachverkaufspflichten
- Einhaltung von Wettbewerbsverboten
- Steuerliche Nachbearbeitung des Verkaufs
- Regelmäßige Prüfung von Earn-Out-Berechnungen
Zu vermeidende Fehler
- Vorzeitiger Abbruch der Kommunikation mit dem Käufer
- Vernachlässigung von Garantieverpflichtungen
- Unzureichende Dokumentation erfüllter Pflichten
- Missachtung von Wettbewerbsverboten
- Ignorieren von Ansprüchen aus Garantieverletzungen
Umgang mit Garantieansprüchen und Haftungsfragen

Nach dem Unternehmensverkauf können Garantieansprüche des Käufers auftreten, wenn sich herausstellt, dass bestimmte zugesicherte Eigenschaften nicht vorliegen. Ein strukturierter Umgang mit solchen Ansprüchen ist entscheidend:
- Prüfung der Anspruchsgrundlage: Liegt tatsächlich eine Garantieverletzung vor?
- Beachtung von Fristen: Wurden Ansprüche fristgerecht geltend gemacht?
- Dokumentation: Sammlung aller relevanten Unterlagen zur Verteidigung
- Kommunikation: Sachliche Auseinandersetzung mit den Ansprüchen
- Rechtliche Beratung: Frühzeitige Einbindung spezialisierter Anwälte
Praxistipp: Escrow-Konto
Ein Escrow-Konto, auf dem ein Teil des Kaufpreises für potenzielle Garantieansprüche hinterlegt wird, bietet beiden Seiten Sicherheit. Der Verkäufer erhält den Großteil des Kaufpreises sofort, während der Käufer die Gewissheit hat, dass für eventuelle Ansprüche finanzielle Mittel zur Verfügung stehen.
Langfristige rechtliche Verpflichtungen beachten
Für Verkäufer
- Einhaltung vereinbarter Wettbewerbsverbote
- Erfüllung von Beratungs- oder Übergangspflichten
- Mitwirkung bei behördlichen Anfragen
- Aufbewahrung relevanter Unterlagen
Für Käufer
- Einhaltung arbeitsrechtlicher Verpflichtungen
- Fortführung laufender Verträge
- Erfüllung von Earn-Out-Vereinbarungen
- Informationspflichten gegenüber dem Verkäufer
Fazit: Rechtliche Absicherung als Schlüssel zum erfolgreichen Unternehmensverkauf

Die rechtliche Absicherung eines Unternehmensverkaufs ist ein komplexer, aber entscheidender Prozess für einen erfolgreichen Abschluss. Von der sorgfältigen Vorbereitung über die professionelle Vertragsgestaltung bis hin zur Nachsorge gibt es zahlreiche rechtliche Aspekte zu beachten.
Die wichtigsten Erkenntnisse im Überblick:
- Eine frühzeitige rechtliche Prüfung identifiziert Risiken und stärkt die Verhandlungsposition
- Ein professionell gestalteter Kaufvertrag mit klaren Regelungen zu Garantien und Haftung ist unverzichtbar
- Die Due-Diligence-Prüfung bildet die Grundlage für einen rechtlich abgesicherten Verkaufsprozess
- Der Notar übernimmt wichtige Funktionen zur rechtlichen Absicherung beider Parteien
- Auch nach dem Verkauf bestehen rechtliche Verpflichtungen, die beachtet werden müssen
Durch die Beachtung dieser rechtlichen Aspekte können Sie Ihren Unternehmensverkauf erfolgreich und mit minimalen Risiken gestalten. Die Investition in professionelle rechtliche Beratung zahlt sich dabei in der Regel mehrfach aus – durch einen höheren Verkaufspreis, einen reibungsloseren Ablauf und die Vermeidung kostspieliger Rechtsstreitigkeiten nach dem Verkauf.
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Wie lange dauert ein rechtlich abgesicherter Unternehmensverkauf?
Die Dauer eines rechtlich abgesicherten Unternehmensverkaufs variiert je nach Komplexität und Größe des Unternehmens. In der Regel sollten Sie mit einem Zeitraum von 6 bis 12 Monaten rechnen. Eine gründliche Vorbereitung kann den Prozess beschleunigen, während unvorhergesehene rechtliche Probleme ihn verlängern können.
Welche Kosten entstehen für die rechtliche Absicherung beim Unternehmensverkauf?
Die Kosten für die rechtliche Absicherung setzen sich aus verschiedenen Posten zusammen: Rechtsberatung (ca. 1-2% des Verkaufspreises), Notarkosten (abhängig vom Geschäftswert), Due-Diligence-Prüfung (je nach Umfang zwischen 10.000 und 50.000 Euro) sowie ggf. Kosten für Steuerberatung und M&A-Berater. Diese Investition schützt jedoch vor weitaus höheren Folgekosten durch rechtliche Probleme.
Kann ich meinen Unternehmensverkauf auch ohne Anwalt rechtlich absichern?
Theoretisch ist ein Unternehmensverkauf ohne anwaltliche Beratung möglich, jedoch nicht empfehlenswert. Die rechtlichen Fallstricke sind zahlreich und die finanziellen Konsequenzen bei Fehlern erheblich. Besonders bei mittleren und größeren Unternehmen ist spezialisierte Rechtsberatung unverzichtbar, um den Verkaufsprozess rechtlich abzusichern und optimale Ergebnisse zu erzielen.

