Bankberater erklärt Franchise Kredit Optionen an einen potenziellen Franchisenehmer
Die Finanzierung ist oft die größte Hürde auf dem Weg zur eigenen Franchise-Gründung. Mit den richtigen Strategien und Kenntnissen der verfügbaren Optionen können Sie jedoch Ihr Franchise-Vorhaben erfolgreich umsetzen. In diesem umfassenden Leitfaden stellen wir Ihnen alle relevanten Finanzierungsmöglichkeiten für 2026 vor – von klassischen Bankkrediten über Eigenkapitallösungen bis hin zu staatlichen Fördermitteln und alternativen Finanzierungswegen.

Die Bedeutung einer soliden Franchise Finanzierung

Eine durchdachte Finanzierungsstrategie ist entscheidend für den Erfolg Ihres Franchise-Vorhabens

Eine solide Finanzierungsbasis ist das Fundament jeder erfolgreichen Franchise-Gründung. Die Gesamtinvestition für ein Franchise-System liegt laut Deutschem Franchiseverband im Durchschnitt bei etwa 85.000 Euro – kann aber je nach Branche und Konzept erheblich variieren. Neben der einmaligen Einstiegsgebühr müssen Franchisenehmer laufende Gebühren, Betriebsmittel und Rücklagen für die Anlaufphase einplanen.

Die Herausforderung: Viele Franchisegeber erwarten einen Eigenkapitalanteil von mindestens 15-20% der Gesamtinvestition. Gleichzeitig bietet das Franchising gegenüber einer klassischen Existenzgründung oft Vorteile bei der Finanzierung, da Banken und Fördermittelgeber das geringere Risiko eines erprobten Geschäftsmodells schätzen.

Wichtig zu wissen: Eine realistische Finanzplanung sollte nicht nur die Anfangsinvestition, sondern auch die ersten 6-12 Monate Betriebskosten umfassen. Planen Sie ausreichend Liquiditätsreserven ein!

Franchise Kredit: Finanzierung über Banken

Bankkredite sind der klassische Weg zur Franchise Finanzierung. Durch das erprobte Geschäftsmodell und die Unterstützung des Franchisegebers bewerten Banken das Risiko oft niedriger als bei einer eigenständigen Gründung.

Voraussetzungen für einen erfolgreichen Franchise Kredit

  • Überzeugender Businessplan mit realistischen Umsatz- und Gewinnprognosen
  • Nachweis der persönlichen unternehmerischen Eignung
  • Ausreichendes Eigenkapital (in der Regel 15-20% der Gesamtinvestition)
  • Positive Schufa-Auskunft und Bonitätsnachweis
  • Detaillierte Standortanalyse und Marktpotenzialeinschätzung
  • Referenzen des Franchisegebers und Erfolgsbilanz des Systems

Vorteile von Bankkrediten

  • Klare Kostenstruktur und Planungssicherheit
  • Keine Abgabe von Unternehmensanteilen
  • Steuerliche Absetzbarkeit der Zinsen
  • Flexibilität bei der Verwendung der Mittel

Nachteile von Bankkrediten

  • Umfangreiche Sicherheiten erforderlich
  • Persönliche Haftung oft unvermeidbar
  • Feste Rückzahlungsverpflichtungen unabhängig vom Geschäftserfolg
  • Langwierige Genehmigungsprozesse

Tipps für erfolgreiche Bankgespräche

  • Bereiten Sie sich gründlich vor und kennen Sie Ihre Zahlen
  • Zeigen Sie Ihre Begeisterung für das Franchise-Konzept
  • Heben Sie Ihre relevanten Qualifikationen und Erfahrungen hervor
  • Legen Sie dar, warum der Standort erfolgversprechend ist
  • Bitten Sie den Franchisegeber um Unterstützung bei der Vorbereitung

Franchise Eigenkapital: Grundlage jeder soliden Finanzierung

Eigenkapital bildet das Fundament jeder Franchise Finanzierung. Die meisten Franchisegeber setzen einen Mindestanteil an Eigenkapital voraus, typischerweise zwischen 15% und 30% der Gesamtinvestition. Diese Anforderung dient nicht nur als finanzielle Absicherung, sondern auch als Beleg für Ihr persönliches Engagement.

Mindestanforderungen an Eigenkapital

Branche Durchschnittliche Gesamtinvestition Typischer Eigenkapitalanteil Mindestbetrag Eigenkapital
Gastronomie 80.000 – 400.000 € 20-30% 20.000 – 80.000 €
Einzelhandel 50.000 – 200.000 € 15-25% 10.000 – 40.000 €
Dienstleistung 20.000 – 100.000 € 15-20% 5.000 – 20.000 €
Fitness/Gesundheit 60.000 – 200.000 € 20-25% 12.000 – 50.000 €

Möglichkeiten zur Eigenkapitalaufbringung

Klassische Eigenkapitalquellen

  • Persönliche Ersparnisse und Vermögenswerte
  • Unterstützung durch Familie und Freunde
  • Verkauf von Vermögenswerten (z.B. Immobilien, Wertpapiere)
  • Auszahlung von Lebensversicherungen oder Bausparverträgen

Alternative Eigenkapitalquellen

  • Stille Beteiligungen von Investoren
  • Crowdinvesting-Plattformen
  • Business Angels mit Branchenerfahrung
  • Eigenkapitalähnliche Nachrangdarlehen

Expertentipp: Prüfen Sie, ob Ihr Franchisegeber Unterstützung bei der Eigenkapitalaufbringung anbietet. Einige Systeme bieten gestaffelte Einstiegsmodelle oder Ratenzahlungen für die Franchisegebühr an.

Investorenpartnerschaften für Franchise-Vorhaben

Wenn Ihr eigenes Kapital nicht ausreicht, können Investorenpartnerschaften eine sinnvolle Ergänzung sein. Hierbei gibt es verschiedene Modelle:

  • Stille Beteiligung: Der Investor stellt Kapital zur Verfügung, ohne operativ tätig zu werden
  • Aktive Partnerschaft: Gemeinsame Führung des Franchise-Betriebs mit geteilten Verantwortlichkeiten
  • Mehrheits-/Minderheitsbeteiligung: Je nach Kapitalanteil und Vereinbarung

Wichtig: Prüfen Sie, ob der Franchisevertrag Partnerschaften zulässt. Manche Franchisegeber verlangen die persönliche Führung durch den Franchisenehmer.

Franchise Fördermittel: Staatliche Unterstützung nutzen

Staatliche Fördermittel können ein entscheidender Baustein Ihrer Franchise Finanzierung sein. Deutschland bietet eine Vielzahl von Programmen auf Bundes- und Landesebene, die speziell für Existenzgründer und Franchisenehmer konzipiert sind.

KfW-Programme für Franchise-Gründer

ERP-Gründerkredit – StartGeld

Ideal für kleinere Franchise-Vorhaben bis 100.000 €. Besonders attraktiv durch die 80% Haftungsfreistellung für die Hausbank.

  • Bis zu 100.000 € Kreditvolumen
  • Keine banküblichen Sicherheiten erforderlich
  • Laufzeiten bis zu 10 Jahre
  • Tilgungsfreie Anlaufzeit möglich

ERP-Gründerkredit – Universell

Für größere Franchise-Vorhaben mit höherem Kapitalbedarf. Finanziert Investitionen und Betriebsmittel.

  • Bis zu 25 Mio. € Kreditvolumen
  • Günstige Zinssätze
  • Laufzeiten bis zu 20 Jahre
  • Kombinierbar mit anderen Förderprogrammen

ERP-Kapital für Gründung

Stärkt die Eigenkapitalbasis durch nachrangige Darlehen. Besonders wertvoll für Franchise-Vorhaben mit höherem Eigenkapitalbedarf.

  • Bis zu 500.000 € Darlehensvolumen
  • Eigenkapitalähnliche Wirkung
  • Lange Laufzeiten (bis 15 Jahre)
  • 7 Jahre tilgungsfrei möglich

Regionale Förderprogramme für Franchisenehmer

Neben den bundesweiten KfW-Programmen bieten die Bundesländer eigene Förderprogramme an, die oft noch bessere Konditionen oder spezifischere Unterstützung bieten können:

Bundesland Förderinstitut Besonderheiten für Franchise
Bayern LfA Förderbank Bayern Spezielle Startkredit-Programme mit Tilgungszuschüssen
Nordrhein-Westfalen NRW.BANK Gründungskredit mit bis zu 100% Finanzierung
Baden-Württemberg L-Bank Kombinierbare Zuschüsse für Beratungsleistungen
Berlin/Brandenburg IBB/ILB Mikrokredite ohne Eigenkapitalnachweis möglich

Bürgschaftsbanken als Türöffner

Wenn Ihnen die nötigen Sicherheiten für einen Bankkredit fehlen, können die Bürgschaftsbanken der Bundesländer eine wertvolle Unterstützung sein:

  • Übernahme von bis zu 80% des Kreditrisikos
  • Erleichterter Zugang zu Bankfinanzierungen
  • Spezielles Know-how für Franchise-Vorhaben
  • Kombinierbar mit KfW- und Landesförderprogrammen

Tipp: Viele Bürgschaftsbanken bieten kostenlose Erstberatungen an. Nutzen Sie dieses Angebot frühzeitig in Ihrer Planungsphase!

Alternative Franchise Finanzierungsmöglichkeiten

Neben klassischen Bankkrediten und staatlichen Fördermitteln haben sich in den letzten Jahren zahlreiche alternative Finanzierungswege etabliert, die besonders für Franchise-Vorhaben interessant sein können.

Leasing als flexible Finanzierungsoption

Besonders für Franchise-Systeme mit hohem Investitionsbedarf in Ausstattung und Einrichtung kann Leasing eine attraktive Alternative sein:

Vorteile des Leasings

  • Schonung der Liquidität und Kreditlinien
  • Planbare monatliche Raten
  • Steuerliche Vorteile möglich
  • Einfache Modernisierung nach Vertragsablauf

Typische Leasing-Objekte im Franchise

  • Ladeneinrichtung und Möbel
  • Küchenausstattung (Gastronomie)
  • Fahrzeuge und Transportmittel
  • IT-Ausstattung und Kassensysteme

Crowdfunding und Crowdinvesting

Die Schwarmfinanzierung hat sich als innovative Finanzierungsform etabliert und kann besonders für Franchise-Konzepte mit starker lokaler Verankerung oder besonders innovativen Ansätzen interessant sein:

  • Reward-based Crowdfunding: Unterstützer erhalten Produkte oder Dienstleistungen als Gegenleistung
  • Equity-based Crowdinvesting: Investoren erhalten Unternehmensanteile oder gewinnabhängige Zahlungen
  • Lending-based Crowdlending: Kreditvergabe durch viele Kleinanleger zu attraktiven Konditionen

Hinweis: Prüfen Sie, ob Ihr Franchisevertrag die Beteiligung externer Investoren zulässt. Manche Systeme haben hier Einschränkungen.

Mezzanine-Kapital für Wachstumsfinanzierung

Mezzanine-Kapital schließt die Lücke zwischen Eigenkapital und Fremdkapital und kann besonders für etablierte Franchisenehmer mit Expansionsplänen interessant sein:

  • Nachrangige Darlehen mit eigenkapitalähnlicher Wirkung
  • Keine oder eingeschränkte Sicherheitenstellung erforderlich
  • Oft erfolgsabhängige Vergütungskomponenten
  • Stärkung der Bilanzstruktur und Bonität

Digitale Kreditplattformen – Trend 2026

Ein wichtiger Trend für 2026 sind spezialisierte digitale Kreditplattformen, die auf die Bedürfnisse von Franchisenehmern zugeschnitten sind:

  • Schnelle Kreditentscheidungen durch automatisierte Prozesse
  • Spezifische Bewertungsmodelle für Franchise-Systeme
  • Flexible Rückzahlungsmodelle basierend auf Umsatzentwicklung
  • Integration von Franchise-spezifischen Kennzahlen in die Kreditbewertung

Achtung: Vergleichen Sie die Konditionen digitaler Anbieter sorgfältig mit klassischen Finanzierungsoptionen. Achten Sie besonders auf versteckte Gebühren und die effektiven Jahreszinsen.

Der optimale Finanzierungsmix für Ihr Franchise

In der Praxis ist die optimale Franchise Finanzierung meist eine Kombination verschiedener Finanzierungsbausteine. Die richtige Mischung hängt von Ihrem individuellen Vorhaben, der Branche und Ihren persönlichen Voraussetzungen ab.

Beispiel eines ausgewogenen Finanzierungsmix

Finanzierungsbaustein Typischer Anteil Besonderheiten
Eigenkapital 15-30% Grundvoraussetzung, signalisiert Engagement
KfW-Förderdarlehen 30-50% Günstige Konditionen, lange Laufzeiten
Hausbank-Darlehen 10-20% Flexibel einsetzbar, schnelle Verfügbarkeit
Leasing/Mietkauf 10-20% Für Ausstattung und Einrichtung
Lieferantenkredite 5-10% Kurzfristige Liquiditätsunterstützung

Praktische Tipps für die Verhandlung mit dem Franchisegeber

Viele Franchisegeber bieten Unterstützung bei der Finanzierung an. Nutzen Sie diese Möglichkeiten:

  • Fragen Sie nach gestaffelten Einstiegsmodellen mit reduzierter Anfangsgebühr
  • Verhandeln Sie Ratenzahlungen für die Franchisegebühr
  • Prüfen Sie, ob der Franchisegeber Kontakte zu finanzierungsfreundlichen Banken hat
  • Erkundigen Sie sich nach Unterstützung bei der Businessplan-Erstellung
  • Bitten Sie um Einblick in die Wirtschaftlichkeitsberechnungen bestehender Standorte

“Die optimale Franchise Finanzierung ist keine Einheitslösung, sondern ein maßgeschneidertes Konzept, das die Besonderheiten des Systems, des Standorts und des Franchisenehmers berücksichtigt.”

Klaus Lockemann, Sachverständiger für Finanzierungen

Checkliste: Ihre Franchise Finanzierung optimal vorbereiten

Eine gründliche Vorbereitung ist der Schlüssel zum Erfolg bei der Franchise Finanzierung. Nutzen Sie unsere Checkliste, um nichts Wichtiges zu übersehen:

  • Informationsphase: Gründliche Recherche zum Franchise-System und dessen Erfolgshistorie
  • Finanzbedarfsermittlung: Detaillierte Aufstellung aller Investitions- und Betriebskosten
  • Eigenkapitalanalyse: Bestandsaufnahme des verfügbaren Eigenkapitals und möglicher Quellen
  • Businessplan: Erstellung eines überzeugenden Businessplans mit realistischen Prognosen
  • Fördermittelrecherche: Identifikation passender KfW- und Landesprogramme
  • Bankgespräche: Vorbereitung und Durchführung von Finanzierungsgesprächen
  • Alternativplanung: Entwicklung von Plan B bei Finanzierungslücken

Dokumente für die Kreditbeantragung

Persönliche Unterlagen

  • Lebenslauf mit beruflichem Werdegang
  • Einkommensnachweise der letzten 3 Jahre
  • Selbstauskunft zur Vermögenssituation
  • Schufa-Auskunft
  • Qualifikationsnachweise

Geschäftliche Unterlagen

  • Detaillierter Businessplan
  • Investitions- und Finanzierungsplan
  • Liquiditätsplanung für 3 Jahre
  • Franchisevertrag (Entwurf)
  • Standortanalyse und Mietvertrag

Fazit: Die richtige Franchise Finanzierung finden

Die Finanzierung eines Franchise-Vorhabens ist eine komplexe, aber lösbare Aufgabe. Mit der richtigen Vorbereitung, einem überzeugenden Businessplan und der Kombination verschiedener Finanzierungsbausteine können Sie Ihr Franchise-Vorhaben erfolgreich umsetzen.

Besonders wichtig ist ein realistischer Blick auf die Gesamtkosten – nicht nur für die Anfangsinvestition, sondern auch für die Betriebskosten in der Anlaufphase. Planen Sie ausreichend Liquiditätsreserven ein und nutzen Sie die vielfältigen Fördermöglichkeiten, die speziell für Existenzgründer und Franchisenehmer zur Verfügung stehen.

Die Trends für 2026 zeigen, dass die Digitalisierung der Kreditprozesse und nachhaltigkeitsorientierte Finanzierungsmodelle zunehmend an Bedeutung gewinnen werden. Nutzen Sie diese Entwicklungen zu Ihrem Vorteil und positionieren Sie Ihr Franchise-Vorhaben entsprechend.

Persönliche Finanzierungsberatung

Sie möchten individuelle Unterstützung bei der Finanzierung Ihres Franchise-Vorhabens? Unsere Experten beraten Sie gerne zu allen Fragen rund um die optimale Finanzierungsstrategie.

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Kann man ein Franchise ohne Eigenkapital gründen?

Eine Franchise-Gründung ohne jegliches Eigenkapital ist in der Praxis kaum möglich. Die meisten Franchisegeber verlangen einen Eigenkapitalanteil von mindestens 15-20% der Gesamtinvestition. Auch Banken und Fördermittelgeber setzen in der Regel einen angemessenen Eigenkapitalanteil voraus. In Ausnahmefällen können sehr erfahrene Gründer mit hervorragender Bonität und in besonders erfolgversprechenden Branchen mit einem minimalen Eigenkapitaleinsatz starten, müssen dann aber mit höheren Finanzierungskosten rechnen.

Welche Bank vergibt Kredite für Franchise-Existenzgründer?

Grundsätzlich können alle Geschäftsbanken Kredite für Franchise-Vorhaben vergeben. Besonders erfahren sind jedoch oft die Sparkassen und Volksbanken, die über spezielle Gründungsberater verfügen. Einige Franchisegeber haben zudem Kooperationen mit bestimmten Banken, die bereits Erfahrung mit dem jeweiligen System haben. Diese Banken können den Finanzierungsprozess oft beschleunigen, da sie das Geschäftsmodell bereits kennen und einschätzen können.

Wie hoch sind die typischen Gesamtkosten für eine Franchise-Gründung?

Die Gesamtkosten für eine Franchise-Gründung variieren stark je nach Branche und System. Laut Deutschem Franchiseverband liegt die durchschnittliche Gesamtinvestition bei etwa 85.000 Euro. Die Spanne reicht jedoch von etwa 10.000 Euro für einfache Dienstleistungsfranchises bis hin zu mehreren hunderttausend Euro für Gastronomie- oder Einzelhandelskonzepte an Premium-Standorten. Zu den Gesamtkosten zählen neben der Franchisegebühr auch Investitionen in Ausstattung, Wareneinkauf, Marketingmaßnahmen sowie Betriebsmittel für die Anlaufphase.