Rechtliche Grundlagen des Franchise Vertrags
In Deutschland existiert keine spezifische gesetzliche Regelung für Franchise Verträge. Sie fallen unter das allgemeine Vertragsrecht und werden als Mischverträge betrachtet, die Elemente aus verschiedenen Vertragstypen kombinieren. Diese rechtliche Besonderheit macht eine sorgfältige Prüfung umso wichtiger.
Der Franchise Vertrag unterliegt verschiedenen Rechtsgebieten:
- Bürgerliches Gesetzbuch (BGB) als Grundlage des Vertragsrechts
- Handelsgesetzbuch (HGB) für kaufmännische Aspekte
- Gesetz gegen Wettbewerbsbeschränkungen (GWB)
- Europäisches Kartellrecht, insbesondere die Gruppenfreistellungsverordnung
- Markenrecht und gewerblicher Rechtsschutz
Obwohl keine spezifischen gesetzlichen Regelungen existieren, hat die Rechtsprechung wichtige Grundsätze für das Franchise Recht entwickelt. Besonders bedeutsam ist die vorvertragliche Aufklärungspflicht des Franchisegebers, die durch mehrere BGH-Urteile bestätigt wurde.
Wesentliche Klauseln im Franchise Vertrag
Ein gut strukturierter Franchise Vertrag enthält mehrere Kernbereiche, die die Geschäftsbeziehung umfassend regeln. Die folgenden Klauseln sind besonders wichtig:
Gebietsschutz und Exklusivität
Der Gebietsschutz garantiert dem Franchisenehmer ein exklusives Tätigkeitsgebiet, in dem kein anderer Franchisenehmer des gleichen Systems aktiv sein darf. Diese Klausel definiert:
- Die genaue geografische Abgrenzung (z.B. durch Postleitzahlen oder Kilometerradius)
- Mögliche Ausnahmen und Sonderregelungen
- Konsequenzen bei Verstößen gegen die Gebietsabgrenzung
Gebührenstruktur und Zahlungsbedingungen
Die finanziellen Verpflichtungen des Franchisenehmers werden detailliert festgelegt:
- Einmalige Einstiegsgebühr für den Erwerb der Franchise-Lizenz
- Laufende Franchise-Gebühren (meist als Prozentsatz vom Umsatz)
- Marketingbeiträge für überregionale Werbemaßnahmen
- Gebühren für Schulungen und weitere Unterstützungsleistungen
- Zahlungsmodalitäten und Fälligkeitstermine
Wichtig: Achten Sie besonders auf die Berechnungsgrundlage der laufenden Gebühren. Werden diese vom Netto- oder Bruttoumsatz berechnet? Gibt es Mindestgebühren, die unabhängig vom tatsächlichen Umsatz zu zahlen sind?
Vertragslaufzeit und Verlängerungsoptionen
Die Laufzeit des Franchise Vertrags sollte ausreichend lang sein, um die anfänglichen Investitionen amortisieren zu können. Typische Regelungen umfassen:
- Initiale Vertragslaufzeit (meist zwischen 5 und 10 Jahren)
- Bedingungen für Vertragsverlängerungen
- Kündigungsfristen und -gründe
- Rechte und Pflichten nach Vertragsende
Rechte und Pflichten im Franchise Vertrag
Pflichten des Franchisegebers
- Überlassung des Geschäftskonzepts und Know-hows
- Einräumung von Nutzungsrechten an Marken und Schutzrechten
- Anfängliche und laufende Schulungen
- Bereitstellung von Betriebshandbüchern
- Marketing- und Werbeunterstützung
- Laufende Beratung und Unterstützung
- Weiterentwicklung des Franchise-Systems
Pflichten des Franchisenehmers
- Zahlung der vereinbarten Gebühren
- Einhaltung der Systemvorgaben
- Umsetzung des Franchise-Konzepts
- Teilnahme an Schulungen
- Einhaltung von Qualitätsstandards
- Berichtspflichten und Transparenz
- Wahrung von Geschäftsgeheimnissen

Besonders wichtig ist die Balance zwischen den Rechten und Pflichten beider Parteien. Ein einseitig ausgestalteter Franchise Vertrag kann nicht nur rechtlich angreifbar sein, sondern auch die Geschäftsbeziehung belasten.
Ein ausgewogener Franchise Vertrag berücksichtigt die Interessen beider Parteien und schafft die Grundlage für eine langfristig erfolgreiche Zusammenarbeit.
Professionelle Franchise Vertragsprüfung
Aufgrund der Komplexität von Franchise Verträgen ist eine professionelle Vertragsprüfung durch einen spezialisierten Rechtsanwalt dringend zu empfehlen. Eine solche Prüfung umfasst:
- Analyse aller Vertragsklauseln auf Rechtmäßigkeit und Angemessenheit
- Identifikation von einseitigen oder unzulässigen Regelungen
- Prüfung der vorvertraglichen Aufklärung
- Bewertung der Gebührenstruktur
- Vergleich mit Branchenstandards
Kündigung und Beendigung des Franchise Vertrags
Die Regelungen zur Vertragsbeendigung gehören zu den wichtigsten Aspekten eines Franchise Vertrags. Hier sollten folgende Punkte klar definiert sein:
Ordentliche Kündigung
Die ordentliche Kündigung erfolgt unter Einhaltung der vereinbarten Kündigungsfristen zum Ende der Vertragslaufzeit. Wichtige Aspekte sind:
- Kündigungsfristen (meist zwischen 6 und 12 Monaten)
- Form der Kündigung (in der Regel schriftlich)
- Möglichkeiten zur Vertragsverlängerung
Außerordentliche Kündigung
Die außerordentliche Kündigung aus wichtigem Grund ist auch ohne Einhaltung von Fristen möglich. Der Vertrag sollte definieren:
- Welche Vertragsverletzungen als wichtiger Grund gelten
- Ob Abmahnungen vor einer Kündigung erforderlich sind
- Welche Fristen für die Beseitigung von Vertragsverstößen gelten
Folgen der Vertragsbeendigung
Nach Beendigung des Franchise Vertrags ergeben sich verschiedene Verpflichtungen:
- Rückgabe von Betriebshandbüchern und anderen Materialien
- Einstellung der Nutzung von Marken und Kennzeichen
- Umgang mit Kundendaten und Geschäftsgeheimnissen
- Nachvertragliches Wettbewerbsverbot
- Regelungen zur Übernahme des Standorts durch den Franchisegeber
Hinweis: Besonders das nachvertragliche Wettbewerbsverbot unterliegt strengen rechtlichen Anforderungen. Es muss zeitlich, räumlich und sachlich angemessen begrenzt sein und kann eine Entschädigungszahlung erfordern.
Risiken bei ungeprüften Franchise Verträgen
Die Unterzeichnung eines Franchise Vertrags ohne professionelle Prüfung birgt erhebliche Risiken:
Typische Risiken ungeprüfter Verträge
- Überhöhte oder versteckte Gebühren
- Unrealistische Umsatz- und Gewinnprognosen
- Fehlender oder unzureichender Gebietsschutz
- Einseitige Kündigungsrechte des Franchisegebers
- Übermäßige Kontroll- und Weisungsrechte
- Unverhältnismäßige Wettbewerbsverbote
- Unklare Regelungen zu Vertragsanpassungen
Fallbeispiele aus der Praxis
Fall 1: Der fehlende Gebietsschutz
Ein Franchisenehmer im Gastronomiebereich investierte erhebliche Summen in seinen Standort. Nach einem Jahr eröffnete der Franchisegeber einen weiteren Betrieb nur 500 Meter entfernt. Da der Vertrag keinen ausreichenden Gebietsschutz enthielt, hatte der Franchisenehmer keine rechtliche Handhabe und verlor einen Großteil seiner Kunden.
Fall 2: Die versteckten Gebühren
Eine Franchisenehmerin im Einzelhandel kalkulierte ihre Geschäftspläne auf Basis der im Vertrag genannten Franchisegebühr von 5% des Umsatzes. Übersehen hatte sie die Klausel, dass zusätzlich 3% für “Systemnutzung” und weitere 2% für “Marketingmaßnahmen” anfielen. Diese 10% Gesamtbelastung machten ihr Geschäftsmodell unrentabel.
Fall 3: Die einseitige Vertragsanpassung
Ein Franchisesystem im Dienstleistungsbereich änderte einseitig die Anforderungen an die technische Ausstattung der Franchisenehmer. Da der Vertrag dem Franchisegeber weitreichende Anpassungsrechte einräumte, mussten alle Franchisenehmer innerhalb von drei Monaten neue Geräte im Wert von jeweils 30.000 Euro anschaffen – eine nicht eingeplante Investition.
Schützen Sie sich vor versteckten Risiken
Eine professionelle Vertragsprüfung kostet nur einen Bruchteil dessen, was Sie bei ungünstigen Vertragsklauseln verlieren können. Unsere Experten für Franchise Recht helfen Ihnen, Risiken zu erkennen und zu minimieren.
Franchise Vertrag vs. Lizenzvertrag
Franchise Verträge werden oft mit Lizenzverträgen verwechselt. Die Unterschiede sind jedoch erheblich:
| Aspekt | Franchise Vertrag | Lizenzvertrag |
| Umfang | Umfassendes Geschäftskonzept mit Know-how-Transfer | Beschränkt auf Nutzungsrechte an Schutzrechten |
| Unterstützung | Intensive Schulung und laufende Betreuung | Meist keine oder nur minimale Unterstützung |
| Kontrolle | Strenge Vorgaben zur Systemkonformität | Geringere Kontrolle über die Geschäftsführung |
| Gebühren | Einstiegsgebühr plus laufende Gebühren | Meist nur Lizenzgebühren |
| Integration | Starke Integration in ein Gesamtsystem | Lose Verbindung ohne Systemzugehörigkeit |
Checkliste: Worauf Sie bei Ihrem Franchise Vertrag achten sollten
Nutzen Sie diese Checkliste, um die wichtigsten Aspekte Ihres Franchise Vertrags zu prüfen:
- Sind die Vertragsparteien korrekt und vollständig bezeichnet?
- Ist der Vertragsgegenstand präzise definiert?
- Sind die eingeräumten Nutzungsrechte klar beschrieben?
- Ist ein angemessener Gebietsschutz vereinbart?
- Sind alle Gebühren transparent und nachvollziehbar dargestellt?
- Ist die Vertragslaufzeit angemessen für die Amortisation der Investitionen?
- Sind die Schulungs- und Unterstützungsleistungen konkret definiert?
- Sind die Rechte und Pflichten beider Parteien ausgewogen?
- Sind die Kündigungsbedingungen fair gestaltet?
- Ist das nachvertragliche Wettbewerbsverbot angemessen begrenzt?
Häufige Fragen zum Franchise Vertrag
Kann ich einen Franchise Vertrag nach der Unterzeichnung noch ändern?
Grundsätzlich können Verträge nur im gegenseitigen Einvernehmen geändert werden. In der Praxis sind Franchisegeber nach Vertragsabschluss selten zu Änderungen bereit. Daher ist es entscheidend, vor der Unterzeichnung alle Punkte zu klären und gegebenenfalls zu verhandeln.
Wie lange dauert ein typischer Franchise Vertrag?
Die Laufzeit von Franchise Verträgen beträgt üblicherweise zwischen 5 und 10 Jahren, oft mit Verlängerungsoptionen. Die Dauer sollte ausreichend sein, um die anfänglichen Investitionen zu amortisieren und einen nachhaltigen Geschäftsbetrieb aufzubauen.
Sind die Bedingungen eines Franchise Vertrags verhandelbar?
Die Verhandelbarkeit hängt stark vom jeweiligen Franchisesystem ab. Etablierte große Systeme arbeiten oft mit standardisierten Verträgen, die kaum Spielraum für Verhandlungen lassen. Bei kleineren oder neueren Systemen können Anpassungen eher möglich sein. Grundsätzlich gilt: Je attraktiver Sie als potenzieller Franchisenehmer sind, desto größer sind Ihre Verhandlungschancen.
Was passiert, wenn der Franchisegeber insolvent wird?
Bei Insolvenz des Franchisegebers besteht die Gefahr, dass der Franchise Vertrag durch den Insolvenzverwalter gekündigt wird. Gut gestaltete Verträge enthalten Schutzklauseln für diesen Fall, etwa Optionsrechte zum Erwerb der Markenrechte oder Regelungen zur Fortführung des Geschäftsbetriebs. Lassen Sie solche Szenarien unbedingt von einem Fachanwalt prüfen.
Welche Rolle spielt der Deutsche Franchise-Verband bei Verträgen?
Der Deutsche Franchise-Verband (DFV) hat einen Ethikkodex entwickelt, der Mindeststandards für faire Franchise Verträge definiert. Mitglieder des DFV verpflichten sich zur Einhaltung dieser Standards. Ein Franchisesystem, das Mitglied im DFV ist, bietet daher oft fairere Vertragsbedingungen. Dennoch ersetzt dies nicht die individuelle rechtliche Prüfung des Vertrags.
Fazit: Der Weg zum fairen Franchise Vertrag
Der Franchise Vertrag ist das Herzstück jeder Franchise-Partnerschaft und entscheidet maßgeblich über Ihren langfristigen Erfolg als Franchisenehmer. Eine gründliche Prüfung und das Verständnis aller rechtlichen Aspekte sind unerlässlich, bevor Sie Ihre Unterschrift setzen.
Investieren Sie in eine professionelle Vertragsprüfung durch einen auf Franchise Recht spezialisierten Anwalt. Die Kosten hierfür sind im Vergleich zu den potenziellen Risiken eines ungünstigen Vertrags minimal. Ein ausgewogener Franchise Vertrag schafft Klarheit, Sicherheit und die Basis für eine erfolgreiche Geschäftsbeziehung zwischen Franchisegeber und Franchisenehmer.
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