Erfolgreiche Unternehmensfinanzierung ohne Eigenkapital
Die Frage nach dem wahren Wert eines Unternehmens stellt sich in vielen geschäftlichen Situationen – sei es beim Verkauf, bei Investitionen oder bei strategischen Entscheidungen. Eine besonders praktische und weitverbreitete Methode zur Wertermittlung ist die Multiplikatormethode. Sie bietet einen schnellen Überblick und ermöglicht es, den Unternehmenswert anhand von Branchenkennzahlen und Marktvergleichen einzuschätzen. In diesem Artikel erklären wir Ihnen, wie Unternehmensbewertung mit Multiplikatoren funktioniert und wie Sie diese Methode für Ihr eigenes Unternehmen anwenden können.

Was sind Bewertungsmultiplikatoren?

Multiplikatoren sind Kennzahlen, die den Zusammenhang zwischen dem Unternehmenswert und bestimmten finanziellen Größen eines Unternehmens darstellen. Sie werden aus Marktdaten abgeleitet und spiegeln wider, was Käufer typischerweise bereit sind, für Unternehmen einer bestimmten Branche zu zahlen.

Multiplikatoren setzen Finanzkennzahlen ins Verhältnis zum Unternehmenswert

Die am häufigsten verwendeten Multiplikatoren sind:

EBIT-Multiplikatoren

Diese beziehen sich auf den Gewinn vor Zinsen und Steuern (Earnings Before Interest and Taxes). Der EBIT-Multiplikator ist besonders aussagekräftig, da er die operative Leistungsfähigkeit eines Unternehmens widerspiegelt, unabhängig von seiner Finanzierungsstruktur.

Umsatz-Multiplikatoren

Diese setzen den Unternehmenswert ins Verhältnis zum Umsatz. Umsatz-Multiplikatoren werden häufig bei jungen Unternehmen oder in Branchen verwendet, in denen der Umsatz eine besonders wichtige Kennzahl darstellt.

“Bewerten heißt vergleichen.” Dieser Grundsatz der Unternehmensbewertung verdeutlicht, dass jede Bewertung immer einen Vergleich darstellt – sei es mit anderen Unternehmen oder mit alternativen Investitionsmöglichkeiten.

Adolf Moxter, Experte für Unternehmensbewertung

Unternehmenswert berechnen mit Multiplikatoren – Schritt für Schritt

Die Berechnung des Unternehmenswerts mittels Multiplikatoren folgt einem einfachen Grundprinzip:

Unternehmenswert = Basiskennzahl × Multiplikator

Beispiel: EBIT (1 Mio. €) × EBIT-Multiplikator (5,5) = 5,5 Mio. €

Die praktische Umsetzung erfolgt in diesen Schritten:

  • Schritt 1: Ermitteln Sie die relevante Basiskennzahl (z.B. EBIT oder Umsatz) aus den Finanzdaten Ihres Unternehmens. Idealerweise verwenden Sie einen Durchschnittswert der letzten drei Jahre.
  • Schritt 2: Bereinigen Sie die Basiskennzahl um außerordentliche oder nicht betriebsnotwendige Posten (z.B. überhöhte Geschäftsführergehälter, private Nutzung von Firmenwagen).
  • Schritt 3: Wählen Sie den passenden Multiplikator für Ihre Branche und Unternehmensgröße aus Vergleichsdaten oder Branchentabellen.
  • Schritt 4: Multiplizieren Sie die bereinigte Basiskennzahl mit dem gewählten Multiplikator.
  • Schritt 5: Berücksichtigen Sie gegebenenfalls Zu- oder Abschläge aufgrund besonderer Unternehmensmerkmale.

Der Berechnungsprozess in 5 Schritten

Beispielrechnung für ein Maschinenbauunternehmen

Ein mittelständisches Maschinenbauunternehmen hat in den letzten drei Jahren einen durchschnittlichen EBIT von 800.000 € erwirtschaftet. Der branchenübliche EBIT-Multiplikator für Maschinenbau liegt bei 5,7.

Berechnung: 800.000 € × 5,7 = 4.560.000 €

Der indikative Unternehmenswert beträgt somit 4,56 Mio. €.

Bereinigung des EBIT – Ein entscheidender Schritt

Für eine aussagekräftige Unternehmensbewertung ist die Bereinigung des EBIT unerlässlich. Besonders bei kleineren und mittelständischen Unternehmen fließen oft persönliche Kosten der Inhaber in die Geschäftszahlen ein.

Typische Positionen zur EBIT-Bereinigung

Folgende Positionen sollten bei der EBIT-Bereinigung berücksichtigt werden:

Bereinigungsposition Erklärung Auswirkung auf EBIT
Geschäftsführergehalt Anpassung überhöhter oder zu niedriger Geschäftsführerbezüge auf marktübliches Niveau +/- Differenz zum Marktgehalt
Familienangehörige Gehälter für Familienangehörige ohne angemessene Tätigkeit + Gehalt
Miete Anpassung nicht marktüblicher Mietzahlungen +/- Differenz zur Marktmiete
Firmenwagen Private Nutzung von Firmenwagen durch Inhaber + anteilige Kosten
Einmaleffekte Außerordentliche Erträge oder Aufwendungen +/- Betrag

Besonders zu beachten ist der Unterschied zwischen Personen- und Kapitalgesellschaften: Bei Personengesellschaften (GbR, GmbH & Co. KG) ist die Arbeitsleistung des Inhabers nicht in den Kosten enthalten und muss für einen fairen Vergleich berücksichtigt werden.

Unternehmensbewertung Branchenvergleich – Typische Multiplikatoren

Die Höhe der Multiplikatoren variiert stark je nach Branche, Unternehmensgröße und aktueller Marktlage. Hier finden Sie eine Übersicht typischer EBIT-Multiplikatoren für verschiedene Branchen:

EBIT-Multiplikatoren im Branchenvergleich (Stand: 2024)

Branche EBIT-Multiplikator (von-bis) Durchschnitt Besonderheiten
IT & Software 6,0 – 10,0 8,0 Hohes Wachstumspotenzial, geringe Kapitalbindung
Maschinen- & Anlagenbau 5,0 – 6,5 5,7 Stabile Nachfrage, hohe Kapitalbindung
Handel & E-Commerce 4,5 – 6,0 5,2 Starker Wettbewerb, geringe Margen
Bau & Handwerk 4,0 – 5,5 4,8 Konjunkturabhängig, personalintensiv
Beratende Dienstleistungen 4,5 – 7,0 5,5 Starke Personenabhängigkeit
Gesundheitswesen 5,5 – 7,5 6,5 Stabile Nachfrage, regulierter Markt

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Unternehmensbewertung Marktanalyse – Einflussfaktoren auf Multiplikatoren

Die Höhe der Multiplikatoren wird durch verschiedene Marktfaktoren beeinflusst. Eine fundierte Marktanalyse ist daher unerlässlich, um den passenden Multiplikator für Ihr Unternehmen zu ermitteln.

Marktfaktoren mit Einfluss auf Bewertungsmultiplikatoren

Makroökonomische Faktoren

  • Zinsniveau: Niedrige Zinsen führen tendenziell zu höheren Multiplikatoren, da alternative Anlagen weniger attraktiv sind.
  • Konjunkturzyklus: In Wachstumsphasen sind Multiplikatoren typischerweise höher als in Rezessionsphasen.
  • Branchenwachstum: Wachstumsstarke Branchen erzielen höhere Multiplikatoren als stagnierende Märkte.

Unternehmensspezifische Faktoren

  • Inhaberabhängigkeit: Starke Abhängigkeit vom Inhaber senkt den Multiplikator.
  • Kundenstruktur: Eine breite Kundenbasis erhöht den Multiplikator im Vergleich zu hoher Kundenkonzentration.
  • Alleinstellungsmerkmale: Patente, Marken oder einzigartige Geschäftsmodelle steigern den Multiplikator.

Praktisches Beispiel: Anpassung des Multiplikators

Ein IT-Dienstleister mit einem EBIT von 500.000 € würde bei einem durchschnittlichen Branchenmultiplikator von 8,0 einen Wert von 4 Mio. € erzielen.

Aufgrund starker Inhaberabhängigkeit (-15%) und hoher Kundenkonzentration (-10%) muss der Multiplikator jedoch angepasst werden:

8,0 × (1 – 0,15 – 0,10) = 8,0 × 0,75 = 6,0

Der angepasste Unternehmenswert beträgt somit: 500.000 € × 6,0 = 3 Mio. €

Vor- und Nachteile der Multiplikatormethode

Vorteile

  • Einfache Anwendung: Die Methode ist leicht verständlich und schnell anzuwenden.
  • Marktorientierung: Basiert auf tatsächlichen Marktpreisen und spiegelt die aktuelle Marktsituation wider.
  • Geringer Datenbedarf: Es werden nur wenige Finanzkennzahlen benötigt.
  • Praktikabilität: Eignet sich gut für eine erste Einschätzung und Plausibilitätsprüfung.
  • Vergleichbarkeit: Ermöglicht den direkten Vergleich mit ähnlichen Unternehmen.

Nachteile

  • Vereinfachung: Komplexe Unternehmenssituationen werden auf wenige Kennzahlen reduziert.
  • Vergangenheitsbezug: Basiert auf historischen Daten, nicht auf Zukunftspotenzial.
  • Datenverfügbarkeit: Für kleine Unternehmen sind Vergleichsdaten oft schwer zu beschaffen.
  • Subjektivität: Die Auswahl des passenden Multiplikators erfordert Erfahrung und Urteilsvermögen.
  • Ungenauigkeit: Liefert nur eine grobe Einschätzung, keine präzise Bewertung.

Abwägung der Vor- und Nachteile bei der Multiplikatormethode

Praktische Tipps für die Anwendung der Multiplikatormethode

Erfolgreiche Anwendung der Multiplikatormethode

  • Kombinieren Sie mehrere Bewertungsmethoden: Verwenden Sie die Multiplikatormethode als eine von mehreren Methoden, um ein ausgewogenes Bild zu erhalten.
  • Wählen Sie die passende Vergleichsgruppe: Achten Sie darauf, dass die Vergleichsunternehmen in Größe, Geschäftsmodell und Marktposition ähnlich sind.
  • Berücksichtigen Sie den Zeitpunkt: Multiplikatoren schwanken je nach Marktlage – achten Sie auf aktuelle Werte.
  • Seien Sie kritisch bei der EBIT-Bereinigung: Eine sorgfältige Bereinigung ist entscheidend für ein realistisches Ergebnis.
  • Dokumentieren Sie Ihre Annahmen: Halten Sie alle Anpassungen und Begründungen für die Wahl des Multiplikators schriftlich fest.

“Für die Bewertung von mittelständischen Unternehmen hat sich die marktwertorientierte Methode und damit das Multiplikatorverfahren als gängige Praxis im Rahmen von M&A-Aktivitäten durchaus bewährt.”

Prof. Dr. Wassermann, Experte für Unternehmensbewertung

Wann ist die Multiplikatormethode sinnvoll?

Die Multiplikatormethode eignet sich besonders in folgenden Situationen:

Typische Anwendungsfälle für die Multiplikatormethode

Unternehmensverkauf

Als erste Orientierung für Verkäufer und Käufer, um einen realistischen Preisrahmen zu definieren.

Nachfolgeplanung

Zur Ermittlung eines fairen Übernahmepreises bei der Übergabe an Familienmitglieder oder Mitarbeiter.

Investitionsentscheidungen

Als Entscheidungshilfe für Investoren, die verschiedene Investitionsmöglichkeiten vergleichen möchten.

Wichtig: Die Multiplikatormethode sollte bei komplexen Bewertungsfällen, etwa bei Unternehmen mit hohem Wachstumspotenzial oder besonderen Risiken, durch andere Verfahren wie die Discounted-Cash-Flow-Methode ergänzt werden.

Professionelle Unterstützung bei der Unternehmensbewertung

Die richtige Anwendung von Multiplikatoren erfordert Erfahrung und Branchenkenntnis. Unsere Experten unterstützen Sie bei der Ermittlung eines realistischen Unternehmenswerts.

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Häufig gestellte Fragen zur Unternehmensbewertung mit Multiplikatoren

Was ist der Unterschied zwischen EBIT- und Umsatz-Multiplikatoren?

EBIT-Multiplikatoren beziehen sich auf den Gewinn vor Zinsen und Steuern und berücksichtigen damit die Profitabilität des Unternehmens. Sie sind aussagekräftiger für etablierte Unternehmen mit stabilen Gewinnen. Umsatz-Multiplikatoren hingegen beziehen sich nur auf den Umsatz und ignorieren die Kostenstruktur. Sie werden häufig bei jungen Unternehmen oder in Branchen mit typischerweise ähnlichen Margen verwendet.

Wie oft werden Branchenmultiplikatoren aktualisiert?

Branchenmultiplikatoren werden in der Regel jährlich oder halbjährlich aktualisiert, um aktuelle Marktentwicklungen widerzuspiegeln. Bei starken Marktschwankungen können auch häufigere Anpassungen erfolgen. Es ist wichtig, stets mit aktuellen Werten zu arbeiten, da veraltete Multiplikatoren zu unrealistischen Bewertungen führen können.

Warum gibt es in manchen Branchen besonders hohe Multiplikatoren?

Hohe Multiplikatoren in bestimmten Branchen können verschiedene Ursachen haben:

  • Hohes Wachstumspotenzial und innovative Technologien, die zukünftige Gewinnsteigerungen versprechen
  • Geringer Wettbewerb und damit höhere Gewinnmargen
  • Stabilität und geringe Konjunkturabhängigkeit (z.B. im Gesundheitswesen)
  • Geringe Kapitalintensität und hohe Skalierbarkeit (z.B. Softwareunternehmen)

Für welche Unternehmen eignet sich die Multiplikatormethode besonders?

Die Multiplikatormethode eignet sich besonders für:

  • Etablierte Unternehmen mit stabilen Erträgen
  • Unternehmen in Branchen mit vielen vergleichbaren Transaktionen
  • Mittelständische Unternehmen mit typischen Geschäftsmodellen
  • Unternehmen, bei denen eine schnelle erste Einschätzung benötigt wird

Weniger geeignet ist die Methode für Start-ups, Unternehmen mit negativem EBIT oder Firmen mit sehr speziellen Geschäftsmodellen ohne Vergleichsmöglichkeiten.

Häufige Fragen zur Unternehmensbewertung Multiplikatoren

Wichtige Fragen zur Multiplikatormethode

Fazit: Unternehmensbewertung mit Multiplikatoren als praktisches Werkzeug

Eine Unternehmensbewertung mit Multiplikatoren bietet eine praktische und marktorientierte Methode, um schnell einen ersten Eindruck vom Wert eines Unternehmens zu gewinnen. Durch den Vergleich mit ähnlichen Unternehmen derselben Branche lässt sich ein realistischer Wertrahmen definieren.

Dennoch sollte die Multiplikatormethode nicht isoliert betrachtet werden. Für eine fundierte Unternehmensbewertung empfiehlt sich die Kombination mit anderen Bewertungsverfahren wie der Discounted-Cash-Flow-Methode oder dem Ertragswertverfahren. Besonders bei komplexen Bewertungsfällen ist die Hinzuziehung eines erfahrenen Bewertungsexperten ratsam.

Die Multiplikatormethode als Teil einer umfassenden Unternehmensbewertung

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