Geschäftsmann analysiert Unternehmensbewertung mit Diagrammen und Finanzberichten
Der Verkauf eines Unternehmens stellt für viele Unternehmer den Höhepunkt ihrer beruflichen Laufbahn dar. Doch wie viel ist Ihr Lebenswerk tatsächlich wert? Die richtige Bewertungsmethode zu wählen, ist entscheidend, um einen angemessenen Verkaufspreis zu erzielen. In diesem Artikel vergleichen wir die wichtigsten Methoden zur Unternehmensbewertung und zeigen Ihnen, wie Sie den Wert Ihres Unternehmens optimal ermitteln können.

Die Bedeutung einer präzisen Unternehmensbewertung

Eine gründliche Unternehmensbewertung ist die Basis für erfolgreiche Verkaufsverhandlungen

Die Bewertung eines Unternehmens beim Verkauf ist keine exakte Wissenschaft, sondern ein komplexer Prozess, der verschiedene Faktoren berücksichtigt. Eine präzise Bewertung ist aus mehreren Gründen wichtig:

  • Sie bildet die Grundlage für Preisverhandlungen mit potenziellen Käufern
  • Sie hilft, unrealistische Preisvorstellungen zu vermeiden
  • Sie identifiziert Werttreiber und Schwachstellen im Unternehmen
  • Sie ermöglicht eine fundierte Entscheidungsfindung für alle Beteiligten

Wichtig zu verstehen: Der Unternehmenswert ist nicht gleich dem Kaufpreis. Der ermittelte Wert dient als Ausgangspunkt für Verhandlungen, während der tatsächliche Verkaufspreis von Angebot und Nachfrage sowie den Verhandlungsfähigkeiten der Parteien abhängt.

5 Bewertungsmethoden für den Unternehmensverkauf im Vergleich

Für die Bewertung eines Unternehmens stehen verschiedene Methoden zur Verfügung. Jede hat ihre Stärken und Schwächen und eignet sich für unterschiedliche Unternehmenstypen und Branchen. Hier vergleichen wir die fünf wichtigsten Methoden:

1. Ertragswertverfahren

Das Ertragswertverfahren ist eine der klassischen Methoden zur Unternehmensbewertung. Es basiert auf der Annahme, dass der Wert eines Unternehmens durch seine zukünftigen Erträge bestimmt wird.

Berechnungsbeispiel:

Schritt Berechnung Beispielwerte
1. Ermittlung der Erträge der letzten drei Jahre Jahresüberschüsse nach Steuern Jahr 1: 400.000 €
Jahr 2: 450.000 €
Jahr 3: 500.000 €
2. Berechnung des Durchschnitts (Ertrag Jahr 1 + Ertrag Jahr 2 + Ertrag Jahr 3) / 3 (400.000 € + 450.000 € + 500.000 €) / 3 = 450.000 €
3. Anwendung des Kapitalisierungsfaktors Durchschnittlicher Ertrag × Kapitalisierungsfaktor (13,75 nach BewG) 450.000 € × 13,75 = 6.187.500 €

Das Ertragswertverfahren eignet sich besonders für etablierte Unternehmen mit stabilen Erträgen und wird häufig bei mittelständischen Unternehmen angewendet.

2. Discounted Cash Flow-Verfahren (DCF)

Das DCF-Verfahren ist international weit verbreitet und bewertet ein Unternehmen auf Basis der zukünftigen Free Cashflows, die auf den heutigen Zeitpunkt abgezinst werden.

Berechnungsbeispiel:

Schritt Berechnung Beispielwerte
1. Prognose der Free Cashflows für 3-5 Jahre EBIT × (1 – Steuersatz) + Abschreibungen – Investitionen – Änderung Working Capital Jahr 1: 300.000 €
Jahr 2: 350.000 €
Jahr 3: 400.000 €
2. Berechnung des Restwerts FCF des letzten Jahres × (1 + Wachstumsrate) / (WACC – Wachstumsrate) 400.000 € × (1 + 1%) / (10% – 1%) = 4.444.444 €
3. Abzinsung aller Werte FCF / (1 + WACC)^n + Restwert / (1 + WACC)^n ≈ 4.200.000 €

Das DCF-Verfahren eignet sich besonders für wachstumsstarke Unternehmen und Unternehmen mit schwankenden Cashflows. Es wird häufig bei Technologieunternehmen und Startups angewendet.

Unsicher, welche Bewertungsmethode die richtige ist?

Jedes Unternehmen ist einzigartig. Unsere Experten analysieren Ihr Unternehmen und wenden die optimale Bewertungsmethode an, um den bestmöglichen Verkaufspreis zu erzielen.

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3. Multiplikator-Verfahren (EBIT/EBITDA-Multiple)

Das Multiplikator-Verfahren ist eine marktorientierte Methode, bei der der Unternehmenswert durch Multiplikation einer Ertragskennzahl (meist EBIT oder EBITDA) mit einem branchenüblichen Faktor ermittelt wird.

Berechnungsbeispiel:

Schritt Berechnung Beispielwerte
1. Ermittlung des EBIT Betriebsergebnis vor Zinsen und Steuern 600.000 €
2. Auswahl des Multiplikators Branchenüblicher Faktor Faktor 6 (Handel)
Faktor 8 (IT)
Faktor 5 (Handwerk)
3. Berechnung des Unternehmenswerts EBIT × Multiplikator 600.000 € × 6 = 3.600.000 €

Branchenspezifische Multiplikatoren:

Branche Typischer EBIT-Multiplikator Anwendungsbeispiel
Handel 4-7 Einzelhandelsgeschäfte, Großhandel
Produktion 5-8 Fertigungsbetriebe, Maschinenbau
IT/Software 8-12 Softwareentwicklung, IT-Dienstleistungen
Handwerk 3-5 Tischlerei, Sanitärbetrieb
Dienstleistung 4-7 Beratungsunternehmen, Agenturen

Das Multiplikator-Verfahren eignet sich besonders für Unternehmen, bei denen Vergleichswerte aus der Branche verfügbar sind. Es wird häufig als schnelle Orientierung oder zur Plausibilitätsprüfung anderer Bewertungsmethoden eingesetzt.

4. Substanzwertverfahren

Das Substanzwertverfahren bewertet ein Unternehmen auf Basis seiner materiellen und immateriellen Vermögenswerte abzüglich aller Verbindlichkeiten.

Berechnungsbeispiel:

Schritt Berechnung Beispielwerte
1. Ermittlung des Zeitwerts aller Vermögenswerte Summe aller materiellen und immateriellen Vermögenswerte zu Marktwerten Immobilien: 1.200.000 €
Maschinen: 800.000 €
Vorräte: 300.000 €
Forderungen: 200.000 €
Gesamt: 2.500.000 €
2. Abzug aller Verbindlichkeiten Summe aller Schulden und Rückstellungen Bankdarlehen: 500.000 €
Lieferantenverbindlichkeiten: 200.000 €
Gesamt: 700.000 €
3. Berechnung des Substanzwerts Vermögenswerte – Verbindlichkeiten 2.500.000 € – 700.000 € = 1.800.000 €

Das Substanzwertverfahren eignet sich besonders für Unternehmen mit hohem Anlagevermögen wie Produktionsbetriebe oder Immobilienunternehmen. Es wird häufig als Mindestwert bei der Unternehmensbewertung herangezogen.

5. Marktwertverfahren

Das Marktwertverfahren orientiert sich an vergleichbaren Unternehmenstransaktionen in der gleichen Branche und leitet daraus einen Marktwert für das zu bewertende Unternehmen ab.

Berechnungsbeispiel:

Schritt Berechnung Beispielwerte
1. Identifikation vergleichbarer Transaktionen Recherche nach Unternehmensverkäufen in der gleichen Branche 3 vergleichbare Transaktionen in den letzten 2 Jahren
2. Ermittlung der Bewertungskennzahlen Kaufpreis / Umsatz oder Kaufpreis / Gewinn der Vergleichsunternehmen Transaktion 1: 0,8 × Umsatz
Transaktion 2: 0,9 × Umsatz
Transaktion 3: 0,7 × Umsatz
3. Berechnung des Durchschnitts Durchschnittlicher Multiplikator (0,8 + 0,9 + 0,7) / 3 = 0,8
4. Anwendung auf das eigene Unternehmen Eigener Umsatz × Multiplikator 3.000.000 € × 0,8 = 2.400.000 €

Das Marktwertverfahren eignet sich besonders für Unternehmen in Branchen mit häufigen Transaktionen und guter Datenverfügbarkeit. Es spiegelt die aktuelle Marktsituation wider und wird häufig bei kleineren und mittleren Unternehmen angewendet.

Maximieren Sie den Verkaufswert Ihres Unternehmens

Mit der richtigen Bewertungsstrategie können Sie den Verkaufspreis Ihres Unternehmens deutlich steigern. Unsere Experten unterstützen Sie bei der optimalen Vorbereitung.

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Vergleich der Bewertungsmethoden: Vor- und Nachteile

Bewertungsmethode Vorteile Nachteile Besonders geeignet für
Ertragswertverfahren
  • Einfache Anwendung
  • Steuerlich anerkannt
  • Basiert auf historischen Daten
  • Berücksichtigt keine Zukunftsprognosen
  • Pauschaler Kapitalisierungsfaktor
  • Keine Branchendifferenzierung
Etablierte Unternehmen mit stabilen Erträgen
DCF-Verfahren
  • Zukunftsorientiert
  • International anerkannt
  • Berücksichtigt Wachstumspotenzial
  • Komplexe Berechnung
  • Unsichere Prognosen
  • Hoher Aufwand
Wachstumsunternehmen, Startups, Technologieunternehmen
Multiplikator-Verfahren
  • Einfach und schnell
  • Marktorientiert
  • Branchenspezifisch
  • Vereinfachend
  • Abhängig von Vergleichsdaten
  • Keine individuelle Betrachtung
KMU mit Branchenvergleichswerten
Substanzwertverfahren
  • Objektive Bewertungsbasis
  • Gut für vermögensintensive Unternehmen
  • Liefert Mindestwert
  • Ignoriert Ertragskraft
  • Schwierige Bewertung immaterieller Werte
  • Oft zu niedrige Bewertung
Produktionsbetriebe, Immobilienunternehmen
Marktwertverfahren
  • Spiegelt aktuelle Marktsituation wider
  • Basiert auf realen Transaktionen
  • Praktische Orientierung
  • Abhängig von Datenverfügbarkeit
  • Vergleichbarkeit oft eingeschränkt
  • Zeitpunktbezogen
Branchen mit häufigen Transaktionen

In der Praxis wird häufig eine Kombination verschiedener Bewertungsmethoden angewendet, um ein ausgewogenes Bild vom Unternehmenswert zu erhalten. Die Wahl der Methode sollte sich nach der Branche, der Unternehmensgröße, der Datenverfügbarkeit und dem Bewertungsanlass richten.

Tipps zur Maximierung des Unternehmenswerts vor dem Verkauf

Strategien zur Wertsteigerung vor dem Unternehmensverkauf

Mit gezielten Maßnahmen können Sie den Wert Ihres Unternehmens vor dem Verkauf deutlich steigern:

Kurzfristige Maßnahmen (1-6 Monate)

  • Bilanz optimieren: Nicht betriebsnotwendiges Vermögen ausgliedern
  • Kostenstruktur verbessern: Unnötige Ausgaben reduzieren
  • Forderungsmanagement: Offene Forderungen eintreiben
  • Dokumentation: Alle wichtigen Verträge und Prozesse dokumentieren
  • Aufräumen: Betriebsstätten in einen repräsentativen Zustand versetzen

Mittelfristige Maßnahmen (6-24 Monate)

  • Ertragssteigerung: Umsatz und Gewinn nachhaltig verbessern
  • Kundendiversifikation: Abhängigkeit von einzelnen Großkunden reduzieren
  • Prozessoptimierung: Effiziente und dokumentierte Abläufe schaffen
  • Personalstruktur: Schlüsselpositionen mit qualifizierten Mitarbeitern besetzen
  • Digitalisierung: Moderne IT-Infrastruktur und digitale Prozesse implementieren

„Der Verkaufspreis eines Unternehmens wird nicht nur durch Zahlen bestimmt, sondern auch durch die Zukunftsperspektiven, die ein potenzieller Käufer erkennt.”

Besonders wichtig ist es, die Abhängigkeit vom Inhaber zu reduzieren. Viele mittelständische Unternehmen sind stark auf den Eigentümer ausgerichtet. Je unabhängiger das Unternehmen vom Verkäufer funktioniert, desto wertvoller ist es für potenzielle Käufer.

Branchenspezifische Besonderheiten bei der Unternehmensbewertung

Je nach Branche gibt es unterschiedliche Schwerpunkte bei der Unternehmensbewertung:

Branche Bevorzugte Bewertungsmethode Besondere Werttreiber
Handel Multiplikator-Verfahren, Ertragswertverfahren Standort, Warensortiment, Kundenstamm, Lieferantenbeziehungen
Produktion Substanzwertverfahren, DCF-Verfahren Maschinenpark, Patente, Produktionseffizienz, Innovationskraft
IT/Software DCF-Verfahren, Multiplikator-Verfahren Technologie, Kundenbasis, Mitarbeiter-Know-how, Skalierbarkeit
Handwerk Ertragswertverfahren, Multiplikator-Verfahren Kundenstamm, Mitarbeiterqualifikation, Reputation, Auftragslage
Dienstleistung Multiplikator-Verfahren, Marktwertverfahren Kundenstamm, Mitarbeiter, Prozesse, Marke/Reputation

Bei der Bewertung ist es wichtig, die branchenspezifischen Besonderheiten zu berücksichtigen und die Bewertungsmethode entsprechend anzupassen. Ein erfahrener Berater kann dabei helfen, die relevanten Faktoren zu identifizieren und zu bewerten.

5 Schritte zur realistischen Unternehmensbewertung

  1. Datensammlung und -aufbereitungSammeln Sie alle relevanten Unterlagen der letzten drei Jahre: Jahresabschlüsse, BWAs, Geschäftsberichte, Verträge, Kundenstruktur, Mitarbeiterübersicht etc.
  2. Auswahl der geeigneten Bewertungsmethode(n)Wählen Sie basierend auf Ihrer Branche, Unternehmensgröße und den verfügbaren Daten die passenden Bewertungsmethoden aus. Idealerweise kombinieren Sie mehrere Methoden.
  3. Durchführung der BewertungFühren Sie die Bewertung nach den ausgewählten Methoden durch oder beauftragen Sie einen Experten damit. Achten Sie auf realistische Annahmen und Prognosen.
  4. PlausibilitätsprüfungÜberprüfen Sie die Ergebnisse auf Plausibilität. Vergleichen Sie die Werte der verschiedenen Methoden und hinterfragen Sie große Abweichungen kritisch.
  5. Festlegung einer VerhandlungsstrategieLegen Sie basierend auf den Bewertungsergebnissen Ihre Preisstrategie fest. Definieren Sie einen Mindestpreis, einen Zielpreis und argumentative Stärken für die Verhandlung.

Wichtig: Eine professionelle Unternehmensbewertung ist komplex und erfordert Fachwissen. Die Hinzuziehung eines erfahrenen Beraters (Steuerberater, Unternehmensberater, M&A-Berater) ist in den meisten Fällen empfehlenswert, um einen realistischen Unternehmenswert zu ermitteln und den Verkaufsprozess optimal zu gestalten.

Professionelle Unterstützung bei der Unternehmensbewertung

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Fazit: Die richtige Bewertungsmethode ist entscheidend

Die Bewertung eines Unternehmens beim Verkauf ist ein komplexer Prozess, der sowohl quantitative als auch qualitative Faktoren berücksichtigen muss. Es gibt nicht die eine perfekte Bewertungsmethode, die für alle Unternehmen gleichermaßen geeignet ist. Vielmehr sollte die Wahl der Methode von der Branche, der Unternehmensgröße, der Datenverfügbarkeit und dem Bewertungsanlass abhängen.

In der Praxis hat sich eine Kombination verschiedener Bewertungsmethoden bewährt, um ein ausgewogenes Bild vom Unternehmenswert zu erhalten. Wichtig ist dabei, die Stärken und Schwächen der einzelnen Methoden zu kennen und bei der Interpretation der Ergebnisse zu berücksichtigen.

Unabhängig von der gewählten Methode sollten Sie frühzeitig mit der Vorbereitung des Unternehmensverkaufs beginnen und gezielt Maßnahmen zur Wertsteigerung umsetzen. Eine professionelle Begleitung durch erfahrene Berater kann dabei helfen, den Verkaufsprozess optimal zu gestalten und einen angemessenen Preis für Ihr Unternehmen zu erzielen.